Therapiebereich PSYCHOSEN
Der Begriff "Psychose" wird häufig - und im Grunde
irrtümlich - mit "Schizophrenie" gleichgesetzt. Tatsächlich
bedeutet "Psychose" eine schwere Beeinträchtigung psychischer
Funktionen. Dabei sind je nach Art der Psychose einmal mehr das Denken oder
mehr das Empfinden und Fühlen beeinträchtigt.
Psychosen werden in organische und nicht-organische Psychosen
unterteilt.
Ursachen organischer Psychosen können psychotrope Substanzen wie
Alkohol, Kokain oder Halluzinogene sein sowie Verletzungen (häufig:
Verkehrsunfälle) oder auch systemische Erkrankungen des Körpers, die
das Gehirn mit beeinträchtigen.
Ursachen nicht-organischer Psychosen sind nicht vollständig
geklärt. Während man hoffte, durch die Entschlüsselung des
Gen-Codes (DNA) eine vollständige Antwort auf diese Frage zu finden
(was sich bislang nicht abzeichnet), geht man heute von einem multi-faktoriellen
Geschehen aus. Das dazugehörige Modell, das
"Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell" spiegelt diese
multi-faktorielle Konzeption wider.
Im Grunde lässt sich dieses Modell auf alle psychischen Störungen
anwenden. Es entwickelte sich aber aus der Arbeit mit schizophrenen PatientInnen,
wo die Klärung der Ursachen und das Verstehen der Zusammenhänge dringend
notwendig war.
Zu den "nicht-organischen Psychosen" zählen die
- schizophrenen Störungen,
- die bipolaren Erkrankungen (das frühere "manisch-depressive
Kranksein") und die
- schizoaffektive Störung (eine Mischung aus den beiden ersteren).
Die schizophrenen Störungen
sind im allgemeinen durch grundlegende und charakteristische Störungen von
Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte
gekennzeichnet.
Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen Fähigkeiten sind in der Regel
nicht beeinträchtigt, obwohl in letzter Zeit die oft beobachteten kognitiven
Defizite der Patienten (Merkfähigkeit, Entwickeln von Zielen, Planung,
Impulskontrolle, Aufmerksamkeitssteuerung, Interpretation von Mimik und Gestik
anderer Personen) besonderes Forschungsinteresse geweckt haben.
Die wichtigsten psychopathologischen Phänomene sind Gedankenlautwerden,
Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung,
Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, Stimmen, die
in der dritten Person den Patienten kommentieren oder über ihn sprechen,
Denkstörungen und Negativsymptome (sozialer Rückzug, Affektverflachung,
Anhedonie). Der Bezug zur Wirklichkeit ist meist erheblich gestört, das
Denken, die Wahrnehmung, das Wollen und das Fühlen sind
beeinträchtigt
Bipolare Störung
Hierbei handelt es sich um eine Störung, die durch wenigstens zwei Episoden
charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betroffenen
deutlich gestört sind. Diese Störung besteht einmal in gehobener Stimmung,
vermehrtem Antrieb und Aktivität (Hypomanie oder Manie), dann wieder in einer
Stimmungssenkung und vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression).
Wiederholte hypomanische oder manische Episoden sind ebenfalls als bipolar zu
klassifizieren.
F31.0 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode
F31.1 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode ohne
psychotische Symptome
F31.2 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit
psychotischen Symptomen
F31.3 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige
depressive Episode
F31.4 Bipolare affektive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome
F31.5 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig schwere depressive Episode
mit psychotischen Symptomen
F31.6 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig gemischte Episode
F31.7 Bipolare affektive Psychose, gegenwärtig remittiert
Schizoaffektive Störungen
Episodisch auftretende Störungen, bei denen sowohl affektive als auch
schizophrene Symptome auftreten, aber die weder die Kriterien für Schizophrenie
noch für eine depressive oder manische Episode erfüllen.
F25.0 Schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch
Eine Störung, bei der sowohl schizophrene als auch manische Symptome vorliegen
und deshalb weder die Diagnose einer Schizophrenie noch einer manischen Episode
gerechtfertigt ist. Diese Kategorie ist sowohl für einzelne Episoden als auch
für rezidivierende Störungen zu verwenden, bei denen die Mehrzahl der
Episoden schizomanisch ist.
F25.1 Schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv
Eine Störung, bei der sowohl schizophrene als auch depressive Symptome vorliegen
und deshalb weder die Diagnose einer Schizophrenie noch einer depressiven Episode
gerechtfertigt ist. Diese Kategorie ist sowohl für einzelne Episoden als auch
für rezidivierende Störungen zu verwenden, bei denen die Mehrzahl der
Episoden schizodepressiv ist.
F25.2 Gemischte schizoaffektive Störung
OHNE medikamentöse Therapie lässt sich in dieser Gruppe psychischer
Erkrankungen nur wenig ausrichten. Die pharmakologische Behandlung ist
unerläßlich, um die Patienten zu stabilisieren und eine Basis für
Gespräche herstellen zu können.
Daneben ist die therapeutische Beziehung zwischen Arzt und Patient eine
Grundvoraussetzung, um ausreichend Vertrauen für weitere medikamentöse
Maßnahmen und andere therapeutische Schritte zu haben.
Zusammen mit der pharmakologischen Behandlung sind soziotherapeutische
und psychotherapeutische Therapien die drei Säulen, auf denen jede
diesbezügliche Behandlung fußen sollte.
Klinische Studien und Behandlungsprogramme:
Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen führe ich laufend klinische
Behandlungsprogramme für Patientinnen und Patienten mit schizophrenen Störungen
durch - wobei neue Medikamente mit den bisherigen Standardtherapien verglichen werden.
Falls Sie mit Ihrer momentanen Behandlung unzufrieden sind oder gerne eine zweite
Meinung einholen wollen, melden Sie sich bitte
hier oder
über das Sekretariat
an, ich stehe Ihnen gerne für Informationen zur Verfügung.