Dr. Wolfgang Gombas
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Therapiebereich ESSSTÖRUNGEN

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Im Wesentlichen werden sowohl im ICD10 (der "international classification of diseases" als auch im amerikanischen Gegenstück, dem DSM VI (dem "diagnostic statistic manual") Essstörungen in zwei Gruppen unterteilt:

1. Anorexia nervosa - Magersucht

2. Bulimia nervosa - Ess-Brech-Sucht

Dazu kommt als Versuch einer Differenzierung die

3. Binge eating disorder - Essattacken ohne Erbrechen

Zentrale Symptome der Essstörungen sind das willentlich gezügelte Essverhalten und eine alles beherrschende Angst vor dem Dickwerden (Gewichtsphobie). Damit verbunden ist eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers - eine sogenannte "Körperschemastörung", wobei der Umfang und die Form des eigenen Körpers überschätzt wahrgenommen werden.

Körperschemastörung

Gleichzeitig ist die Körperform ganz zentral mit dem Selbstwertgefühl verbunden, weshalb - vorwiegend weiblichen - Patientinnen enorme Anstrengungen unternehmen, um ihr Körpergewicht zu kontrollieren.
Sie entwickeln umfassende Regeln und Rituale und verbergen diese Aktivitäten selbst vor ihrer eigenen Familie mit Akribie und Perfektion.

Zu diesen heimlichen Aktivitäten gehören z.B. mehrmalige Gewichtskontrolle täglich, Kalorienzählen, Diäten, Verwendung von Medikamenten zur Gewichtskontrolle oder sportliche Aktivitäten. Familienangehörige sind oft völlig frapiert, wie und wie lange die Patientinnen ihre Erkrankung und die damit verbundenen Maßnahmen verheimlichen konnten.

Anorexia nervosa

1. Weigerung, das Körpergewicht auf einem altersentsprechenden Normalgewicht oder auch Minimalgewicht zu halten.
2. Starke Furcht, zuzunehmen oder zu dick zu werden, auch bei Untergewicht.
3. Störung in der Wahrnehmung des eigenen Körpergewichts oder der Körperform. Körpergewicht oder Körperform haben einen übermäßigen Einfluß auf das Selbstwertgefühl. Verleugnung der ernsthaften gesundheitlichen Gefährdung durch das derzeit niedrige Körpergewicht.
4. Amenorrhoe bei Frauen nach der ersten Regelblutung, d.h. das Ausbleiben von drei aufeinander folgenden Menstruationszyklen.
Restriktiver Typus: Die Person hat weder regelmäßig Esssanfälle, noch erbricht sie oder missbraucht Abführmittel oder Diuretika während der anorektischen Episode.
Bulimischer Typus: Die Person hat während der anorektischen Episode regelmäßig Essanfälle oder erbricht bzw. missbraucht Abführmittel oder Diuretika

Die Bedeutung der genauen Diagnose liegt vor allem in einem enorm wichtigen Umstand begründet - der Auswirkung auf die Prognose der Erkrankung: In beiden Fällen kann es durch Elektrolytentgleisung und Unterernährung zum Tod kommen!, aber bei anorektischen Patientinnen passiert das wesentlich häufiger: etwa 10% sterben im Laufe von zehn Jahren an den Folgen der Krankheit (bei der Bulimie sind es weniger als 1%).

Bulimia nervosa

1. Wiederkehrende Episoden von Essanfällen. Eine Episode ist durch beide folgenden Merkmale charaktierisiert:
. In einer umschriebenen Zeitspanne wird (z.B. innerhalb von zwei Stunden) eine Nahrungsmenge aufgenommen, die wesentlich größer ist, als die meisten Menschen innerhalb einer vergleichbaren Zeitspanne essen würden.
. Kontrollverlust über das Essen.
2. Wiederholtes unangemessenes Kompensationsverhalten, um eine Gewichtszunahme zu verhindern (z.B. willentliches Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Diuretika, Einläufen oder anderen Medikamenten, Fasten oder übermäßiger Sport).
3. Essanfälle und unangemessenes Kompensationsverhalten treten im Durchschnitt mindestens zweimal in der Woche über eine Zeitspanne von drei Monaten auf.
4. Das Selbstwertgefühl ist übermäßig stark vom Gewicht abhängig.
5. Die Störung tritt nicht ausschließlich während Episoden von Anorexia nervosa auf.
Purging-Typ:Die Person wendet regelmäßig selbst herbeigeführtes Erbrechen an oder missbraucht Abführmittel oder Diuretika.
Non-Purging-Typ: Die Person wendet anderes unangemessenes Kompensationsverhalten wie Fasten oder übermäßigen Sport an, aber kein selbst herbeigeführtes Erbrechen oder keinen Missbrauch von Abführmittel oder Diuretika.

Behandlung der ersten Wahl ist sicherlich Psychotherapie, wobei sich kognitive Verhaltenstherapie und systemische (interpersonelle) Psychotherapie als äußerst wirksam erwiesen haben. Auch tiefenpsychologische Ansätze können - durch Aufarbeitung der zugrundeliegenden seelischen Konflikte - sehr gute Erfolge erzielen. In zwei Studienprojekten an der psychosomatischen Station der Universitätsklinik für Psychiatrie untersuchen derzeit mein Team und ich Wirksamkeit und Nachhaltigkeit tiefenpsychologischer Verfahren.

Binge eating disorder

1. Wie bei der Bulimie wiederkehrende Episoden von Essanfällen. Auch bei Binge eating ist eine Episode ist durch beide Merkmale charaktierisiert:
. In kurzer Zeit (halbe bis zwei Stunden) Aufnahme großer Nahrungsmengen, die wesentlich größer sind, als die meisten Menschen innerhalb einer vergleichbaren Zeitspanne essen würden.
. Kontrollverlust über das Essen (wie viel oder wann sie mit dem Essen aufhören müssen).
2. Essanfälle und unangemessenes Kompensationsverhalten treten im Durchschnitt mindestens zweimal in der Woche über eine Zeitspanne von sechs Monaten auf.
3. Es finden keine drastischen Maßnahmen statt, um zu versuchen, die aufgenommene Nahrungsmenge wieder auszuscheiden. (Erbrechen, Fasten, Abführmittel, Diuretika, sportliche Maßnahmen)

Dieses Syndrom betrifft etwa 2% der Bevölkerung. Viele der Betroffenen sind übergewichtig, aber nicht ausschließlich. Anders als bei der Magersucht oder der Bulimie sind bei Binge eating auch viele Männer betroffen (35% der PatientInnen).
Als weitere Symptome gelten besonders schnelles Essen und Essen ohne Hunger. Aufgrund von Gefühlen der Schuld, Scham oder Peinlichkeit wird allein gegessen, danach treten häufig Ekel, neuerliche Schuld (wegen des Versagens der Selbstkontrolle) oder Depressionen auf. Die Essattacken werden als äußerst belastend empfunden..

Weiterführende Informationen finden Sie auch im Internet (siehe Links)